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Pädophilie: Die Hintergründe der Sexualstörung

Eigentlich hätte Alexander Seppelt lieber zu einem anderen Zeitpunkt über das Thema gesprochen: "Pädophilie wird immer nur dann aufgegriffen, wenn jemand Berühmtes Täter wird", sagt Seppelt. Er ist Psychotherapeut, seit über 30 Jahren in der Männerberatung tätig und ein bisschen verärgert darüber, dass das Thema immer nur dann präsent ist, wenn die Stimmung "wie aktuell aufgrund eines massiven Täters" aufgeheizt ist. Gemeint ist der Fall des Schauspielers Florian Teichtmeister. Am Freitag wurde eine Klage gegen ihn wegen Besitzes kinderpornografischer Bilder öffentlich bekannt.

Viele von Pädophilie Betroffene würden unter der Sexualstörung allerdings leiden. "Über die wird nie gesprochen", kritisiert Seppelt. Jeder 500. Mann kann sich ausschließlich an Kindern oder Jugendlichen erregen. In der Fachsprache ist er sogenannter Kernpädophiler, ein überwiegend großer Teil von ihnen wird nie zum Täter. Die Anzahl jener Männer, die neben anderen sexuellen Fantasien auch Bilder von Kindern und Jugendlichen erregend finden, ist aber deutlich höher. 20 bis 25 Prozent aller Männer sind unter anderem durch Bilder von Minderjährigen sexuell erregbar.

Was Pädophilie genau ist, lässt sich nur schwer beschreiben. Im ICD-Codex, nach dem medizinisches Fachpersonal Diagnosen erstellt, ist Pädophilie jedenfalls mit einer Nummer versehen. "Insofern ist es eine krankheitswertige Störung. Es gibt aber auch Stimmen, die meinen, es sei eine Sexualpräferenz. Die Abgrenzung ist schwierig", sagt Seppelt.

Pädosexualität ist nicht gleich Pädophilie

Bei dem Thema gehe es um eine zentrale Unterscheidung, nämlich jene zwischen Pädophilie und Pädosexualität. Das eine habe mit dem anderen nur bedingt zu tun: "Das ist so wie Heterosexualität und Vergewaltigung." Pädophilie ist generell die Erregbarkeit durch Minderjährige. Dabei werden in der Fachsprache zwei Formen unterschieden. Pädophil bezeichnet das Empfinden von Erregung bei Kindern vor der Pubertät, und hebephil meint das sexuelle Interesse an Jugendlichen während und nach der Pubertät. Studien zeigen, dass gut vier Prozent der Männer bejahen, sexuelle Fantasien gegenüber präpubertären Kindern zu haben. Von den Frauen gaben 0,8 Prozent an, sexuelle Fantasien gegenüber Kindern unter zwölf Jahren zu haben. Beide Gruppen sind allerdings nicht kernpädophil, stellt Seppelt klar.

Von Pädosexualität hingegen spricht man dann, wenn ein Pädophiler seine Fantasien in eine Tat umsetzt. "Da gehört auch schon dazu, online entsprechendes Material zu konsumieren, das Missbrauch abbildet", stellt Seppelt klar.Er arbeitet mit vielen Männern, die unter der Sexualstörung leiden: "Sie bilden depressive Symptomatiken aus und denken: 'Warum hat mich das erwischt? Alle anderen dürfen ihre Sexualität ausleben. Ich werde sie nie ausleben dürfen.'"

Betroffene brauchen Ersatzhandlungen

Für ebensolche Betroffene ist die Störung oft mit einem großen Leidensdruck verbunden. "Wenn ich etwas unbedingt will und es nicht und nicht kriegen kann, ist die Gefahr groß, dass es eine Zwangsvorstellung wird", erklärt der Psychotherapeut. Wenn er mit Betroffenen arbeitet, geht es deshalb oft im ersten Schritt darum, dass Zwangsgedanken zu bloßen Gedanken werden.

Seppelt vergleicht den Prozess mit Zigarettenentzug. Menschen, die schon einmal mit dem Rauchen aufgehört haben, kennen das wahrscheinlich: In den ersten Tagen denkt man ständig daran, dass man gerade nicht raucht. Und auch in den ersten Wochen kann man wohl auf die Stunde genau sagen, wie lange man schon nicht geraucht hat, weil das Thema so präsent ist. Aber irgendwann sinkt der Leidensdruck, sagt Seppelt: "Wenn der Mann dann nicht mehr ständig, sondern nur noch hin und wieder daran denkt, belastet es ihn auch weniger."

In einem weiteren Schritt geht es darum nach Wegen zu suchen, wie Pädophilie-Betroffene das Bedürfnis ersetzen können. "Das ist individuell und kann von Bergsteigen bis zum Zeichnen alles sein", berichtet der Psychotherapeut. Manchmal findet die Ersatzhandlung auch in einem anderen sexuellen Kontext statt, sagt er und erzählt von einem seiner Klienten: "Ein junger Mann hat sehr unter der Sexualstörung gelitten. Er hat dann in einem Forum für Asexuelle einen erwachsenen Mann kennengelernt, mit dem er sich 14-tägig zum Kuscheln und Filmschauen getroffen hat. Das hat ihm geholfen."

Pädophilie: Die Hintergründe der Sexualstörung

Eigentlich hätte Alexander Seppelt lieber zu einem anderen Zeitpunkt über das Thema gesprochen: "Pädophilie wird immer nur dann aufgegriffen, wenn jemand Berühmtes Täter wird", sagt Seppelt. Er ist Psychotherapeut, seit über 30 Jahren in der Männerberatung tätig und ein bisschen verärgert darüber, dass das Thema immer nur dann präsent ist, wenn die Stimmung "wie aktuell aufgrund eines massiven Täters" aufgeheizt ist. Gemeint ist der Fall des Schauspielers Florian Teichtmeister. Am Freitag wurde eine Klage gegen ihn wegen Besitzes kinderpornografischer Bilder öffentlich bekannt.

Viele von Pädophilie Betroffene würden unter der Sexualstörung allerdings leiden. "Über die wird nie gesprochen", kritisiert Seppelt. Jeder 500. Mann kann sich ausschließlich an Kindern oder Jugendlichen erregen. In der Fachsprache ist er sogenannter Kernpädophiler, ein überwiegend großer Teil von ihnen wird nie zum Täter. Die Anzahl jener Männer, die neben anderen sexuellen Fantasien auch Bilder von Kindern und Jugendlichen erregend finden, ist aber deutlich höher. 20 bis 25 Prozent aller Männer sind unter anderem durch Bilder von Minderjährigen sexuell erregbar.

Was Pädophilie genau ist, lässt sich nur schwer beschreiben. Im ICD-Codex, nach dem medizinisches Fachpersonal Diagnosen erstellt, ist Pädophilie jedenfalls mit einer Nummer versehen. "Insofern ist es eine krankheitswertige Störung. Es gibt aber auch Stimmen, die meinen, es sei eine Sexualpräferenz. Die Abgrenzung ist schwierig", sagt Seppelt.

Pädosexualität ist nicht gleich Pädophilie

Bei dem Thema gehe es um eine zentrale Unterscheidung, nämlich jene zwischen Pädophilie und Pädosexualität. Das eine habe mit dem anderen nur bedingt zu tun: "Das ist so wie Heterosexualität und Vergewaltigung." Pädophilie ist generell die Erregbarkeit durch Minderjährige. Dabei werden in der Fachsprache zwei Formen unterschieden. Pädophil bezeichnet das Empfinden von Erregung bei Kindern vor der Pubertät, und hebephil meint das sexuelle Interesse an Jugendlichen während und nach der Pubertät. Studien zeigen, dass gut vier Prozent der Männer bejahen, sexuelle Fantasien gegenüber präpubertären Kindern zu haben. Von den Frauen gaben 0,8 Prozent an, sexuelle Fantasien gegenüber Kindern unter zwölf Jahren zu haben. Beide Gruppen sind allerdings nicht kernpädophil, stellt Seppelt klar.

Von Pädosexualität hingegen spricht man dann, wenn ein Pädophiler seine Fantasien in eine Tat umsetzt. "Da gehört auch schon dazu, online entsprechendes Material zu konsumieren, das Missbrauch abbildet", stellt Seppelt klar.Er arbeitet mit vielen Männern, die unter der Sexualstörung leiden: "Sie bilden depressive Symptomatiken aus und denken: 'Warum hat mich das erwischt? Alle anderen dürfen ihre Sexualität ausleben. Ich werde sie nie ausleben dürfen.'"

Betroffene brauchen Ersatzhandlungen

Für ebensolche Betroffene ist die Störung oft mit einem großen Leidensdruck verbunden. "Wenn ich etwas unbedingt will und es nicht und nicht kriegen kann, ist die Gefahr groß, dass es eine Zwangsvorstellung wird", erklärt der Psychotherapeut. Wenn er mit Betroffenen arbeitet, geht es deshalb oft im ersten Schritt darum, dass Zwangsgedanken zu bloßen Gedanken werden.

Seppelt vergleicht den Prozess mit Zigarettenentzug. Menschen, die schon einmal mit dem Rauchen aufgehört haben, kennen das wahrscheinlich: In den ersten Tagen denkt man ständig daran, dass man gerade nicht raucht. Und auch in den ersten Wochen kann man wohl auf die Stunde genau sagen, wie lange man schon nicht geraucht hat, weil das Thema so präsent ist. Aber irgendwann sinkt der Leidensdruck, sagt Seppelt: "Wenn der Mann dann nicht mehr ständig, sondern nur noch hin und wieder daran denkt, belastet es ihn auch weniger."

In einem weiteren Schritt geht es darum nach Wegen zu suchen, wie Pädophilie-Betroffene das Bedürfnis ersetzen können. "Das ist individuell und kann von Bergsteigen bis zum Zeichnen alles sein", berichtet der Psychotherapeut. Manchmal findet die Ersatzhandlung auch in einem anderen sexuellen Kontext statt, sagt er und erzählt von einem seiner Klienten: "Ein junger Mann hat sehr unter der Sexualstörung gelitten. Er hat dann in einem Forum für Asexuelle einen erwachsenen Mann kennengelernt, mit dem er sich 14-tägig zum Kuscheln und Filmschauen getroffen hat. Das hat ihm geholfen."